Die „zehn-sehn-Süchtigen“ auf dem Brünnelistock. von links: hinten stehend: Bruno, Beni, Angela, Wolfi, Bob, Adi, Roland vorne knieend: Turi, Anita Maria und Thomas (unsere beiden Schneschuhläufer Toni und Marianne fehlen leider auf diesem Foto)

Sehnsüchtige (Anmerk. Redaktion: zehn Süchtige)

Nostalgie-Skitour ist ein Produkt des Skiclubs Altstetten aus dem Bereich der ambulanten Suchthilfe. Ski-Sehnsüchtige wenden sich zurück und schwelgen in der Erinnerung sich verklärender Zeiten ursprünglicher, originaler Skitechnik und Skimode. Nostalgie-Skitour hilft Ski-Sehnsüchtigen mit Mitteln wie zu Ur- und Grossvaters-Zeiten im Winter einen Berg zu besteigen. Technisch gesehen, darin liegt schon die halbe Freude, sind dazu eine Kandahar-Bindung mit Kabelzug in diagonal-horizontaler Richtung auf Zweimeterholzskis nötig. Die andere Hälfte der Freude bereiten eine alte Hose, ein Rock, eine Mütze oder ganz einfach und für jedermann zugänglich der Genuss am Schnee und der Landschaft.

Abmarsch

Praktiziert wird die Behandlung für Nostalgiker vom SCA traditionellerweise im Alpthal (SZ). Der Furggelenstock ist ein stets beliebtes und sich lohnendes Ziel. Am Samstag, den 21. Februar treffen zwölf wunderlich ausgerüstete Personen zum Znünikaffee im Hotel-Restaurant Brunni (~1100 m.ü.M.) aufeinander. Nach kurzer Begrüssungs- und Motivations-ansprache, besonders herzlich werden auch die SCA-Gäste angesprochen, setzt sich der Tross der zwölf Nostalgiker schon bald in Bewegung. Es hat über Nacht geschneit. Die Schneeverhältnisse sind prächtig wie selten. Wunderbarer Tiefschnee, überall. Fünf Paar Holzskis, fünf Paar Fiberglas-skis gleiten in der aufsteigenden Spur, welche vom Führer Bob umsichtig angelegt wird, stetig vorwärts. Als Neuigkeit sind zwei Schneeschuhläufer unter den Begleitern anzutreffen. Toni und Marianne wagen es als erste, diesmal ihre Schneeschuhe anstelle ihrer Skis anzuschnallen. Alles in allem, eine heterogene Schar.

Toilette unter Tannen

Nach zweihundert Meter Höhengewinn beschliesst eine Dame aus der Gruppe sich kurz im Wald hinter Bäume zu entfernen, um die Blase zu entleeren. Der Kaffee drückt. Kaum jedoch ist der Rock gehoben und die Hose in den Knien, verschwindet der Boden unter den Füssen. Ein Schneeloch tut sich auf. Die Skifahrerin purzelt kopfüber ins Loch hinab und bleibt in denkbar misslicher Lage stecken. Wie befreit man sich kopfvoran im Tiefschnee steckend und mit durch die Hose zusammengebundenen Beinen? Glücklicherweise hört der Ehemann die Rufe der Verunglückten. Bruno hat seine Angela gerettet und, ohne dass sie ihr Geschäft hätte verrichten können (es ist ihr vergangen), uns wieder zurückgebracht. Wir lernen: Obwohl die Veranstalter eine grundsätzlich leichte Tour angekündigt haben, gehört das Austreten und sich erleichtern zu den eher schwierigeren Elementen auf der Wanderung.


Filmen im Tiefschnee 

Dass wir uns im Informationszeitalter befinden, erkennen wir an den gegenwärtigen Kommunikationsmitteln. Früher wurden auf der Nostalgieskitour Fotos geschossen. Heute wird mit dem Handy gefilmt - manchmal auch unter Verlust seiner Haare. Das geht so. Adi, unser frisch gewählter Präsident, erarbeitet sich zuerst Raum zwischen der Gruppe und sich. Dann installiert er sich im Tiefschnee, lässt die Gruppe vor sich durchziehen und hält das Defilée in bewegten Bildern und mit Ton fest. Nachher schliesst er sich der vorbeimarschierten Gruppe wieder an und merkt fünfzig Meter später, dass doch eines seiner Felle fehle. Es ist für ihn nicht ganz einfach, im vielen Schnee sein Fell wieder zu finden. Doch er schaffts. Wenn auch die Ausrüstung nicht mehr die neuste ist, ein geübter Nostalgiker kann und muss auch ein Hindernis bewältigen können. Wo ein Wille - ist ein Weg.

Suppe in der Furggelenhütte 

 

Auf dem weiteren Aufstieg geniessen wir, oft schweigend, die Schönheit der Natur. Wald und Matten zeigen sich in üppiger Schneelandschaft wie im Bilderbuch. Nach zwei Stunden erreichen wir bei Sonnenschein die Furggelenhütte (1530 m.ü.M.). Die Bewölkung hat sich für den Mittag aufgelockert. Auf den spendierten Apéro vor der Hütte müssen wir zwar verzichten, aber die Gerstensuppe mit Speck in der Hütte ist Entschädigung genug. Wir geniessen das Essen.
 

Furggelenstock Umgehung

Am Nachmittag umgehen wir den Furggelenstock auf westlicher Route. Bruno ist etwas verunsichert als er beobachtet, wie Bob plötzlich im Wald verschwindet. Doch alles ist in bester Ordnung. Wir benutzen diesmal den Sommerweg. Etwas später verabschieden sich die beiden Schneeschuhläufer vorübergehend. Toni und Marianne wählen einen anderen Weg für den Abstieg als die Ski-wanderer. Die beiden Gruppen treffen später gleichzeitig auf dem Parkplatz ein. Überraschenderweise. Fahren ist doch nicht schneller als laufen.

 

Abfellen auf dem Brünnelistock

In einer Stunde ist der Brünnelistock (1593 m.ü.M.) erreicht. Turi erklärt beim Abfellen den Unterschied zwischen Pommes Frites-Skis und taillierten Skis. Demnach bin ich auf Pommes Frites-Niveau stehen geblieben während Turri modernerweise unter die Free-Rider zu rechnen ist. Anita Maria interessiert sich auch dieses Jahr wieder für die schöne, sechzigjährige Hose von Bob und wird über deren nostalgische Geschichte unterrichtet. Wolfi wird wegen seiner an Russland erinnernden Fellmütze von uns auf den Namen Tartar getauft. Einiges Publikum schart sich hier an der Bergstation des Skilifts um unsere Gruppe und bewundert die alten Holzskis.

Abfahrt

Schon bald machen wir unsere ersten Schwünge auf der Zwäckenpiste. Etwelche Unsicherheiten in der Körperhaltung der Holzskifahrer sind nicht restlos zu vermeiden. Roland und Beni halten sich freundlicherweise bereit, allfällig neben die Piste geratene Nostalgieskifahrer wieder auf sicheren, präparierten Boden zurück zu begleiten. Ein Stemm- und Pflugbogen reiht sich an den andern. Wir arbeiten uns in Richtung Skilift Holzegg Ost vor. Diesen Lift zu testen ist Teil unserer offiziellen Mission in der Mythen Region. Etliche Väter nutzen unseren Auftritt, um ihre Söhne an lebenden Beispielen über die Entwicklung  des Skisports aufzuklären. Unfallfrei erreichen wir den Parkplatz. Es ist auch für dieses Jahr bewiesen: Die alte Technik funktioniert tadellos.
 
 

Ausklang in Biberbrugg

Die dringendste Sehnsucht ist für dieses Jahr gestillt. Die Tour war schön. Das Aufraffen dafür hat sich gelohnt. Wir sind uns einig. Nächstes Jahr gibt es hoffentlich ein Wiedersehen mit Walter und Anne, Irene und Carolin. Neue Interessenten wollen wir auch anwerben. Als Schlussbild und Werbespot bietet sich folgendes Bild an: Ein Mann, auf Holzskis, und richtig viel Schnee...

Perfekt! Bob wedelt,  ins Tal hali-juhee.